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Zurück zur Verwurzelung des Menschen

Die Schaffung der Voraussetzungen für die Verwurzelung des Menschen in der Gemeinschaft war eines der Hauptanliegen von Röpke.


Der Mensch kann nur dann die volle Erfüllung seiner Natur finden, wenn er sich willig einem höheren Ganzen, einer echten Gemeinschaft einfügt und sich als ihr dienendes Glied fühlen kann. Sonst führt er eine elende Existenz trotz allem materiellen Komfort.

Masse und Konzentration sind die Erscheinungen, die für Röpke einer solchen gesunden und dem Menschen gemäßen Verfassung der Gesellschaft entgegenstehen.

Eigenverantwortung, Eigenleben und Eigendenken werden erstickt und kollektives Denken gefördert. Der Einzelne verliert an Gesicht, Seele, Eigenwert und Person (Depersonalisation), je mehr er in der ,,Masse" aufgeht.

Die Urformen menschlicher Existenz weichen der Masse, der Konzentration, der gestaltlosen Menschenanhäufung in den Großstädten und Industriezentren, der Entwurzelung, den Massenorganisationen, der anonymen Bürokratie, der Allgewalt des Staates, der diese in entwurzelte Individuen zerbröckelnde Gesellschaft zusammenhält.


Röpke: ,,Die soziale Unterernährung ist die typische Krankheit der sich in vereinsamte Individuen auflösenden Gesellschaft, in der es an der Wärme des Zusammenhalts fehlt, in der das Gefühl, nicht nur mit unseren Rechten, sondern auch mit unseren Pflichten an einem bestimmten Platz in der Gesellschaft zu stehen, mit anderen Worten, das Gefühl der Einbettung in die kleinere und größere Gemeinschaft mehr und mehr schwindet. Die Gesellschaft scheint dann aufgelöst in lauter frei schwebende Individuen, deren Zusammenhalt mehr und mehr ein bloß mechanisch-anonymer, auf Markt, Konkurrenz, Arbeitsteilung, Technik und Gesetz beruhender ist: eben jene Gesellschaft, wie sie sich überall im Laufe der letzten hundert Jahre entwickelt hat. In allen Ländern, hier mehr, dort weniger, ist die Gesellschaft in dieser Zeit zu einer Masse von Individuen zermahlen worden, die enger zusammengedrängt und voneinander abhängiger denn je zuvor, gleichzeitig wurzelloser sind, vereinzelter und sandkornähnlicher als je zuvor. Mag man es nun Vermassung, Atomisierung oder Gesellschaftsauflösung (Desintegration) nennen - es ist immer derselbe krankhafte Vorgang, bald von dieser, bald von jener Seite her betrachtet."

(Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart, 6. Auflage 1979, S. 149/150)

Die Therapie gegen diese Krankheit sah Röpke in allem, was die Wirkung hat, den nach oben verlagerten Schwerpunkt der Lebensgestaltung, Planung, Verantwortung, Entscheidung, Meinungs- und Urteilsbildung tief nach unten zu verlagern. Dorthin, wo der Mensch in dem seiner Statur entsprechenden Lebens- und Wirkungskreise das verloren gegangene Gleichgewicht zwischen Individualität und Kollektivität zurückgewinnen kann.

Röpke: ,,Mit diesem Gleichgewicht aber erhält der Mensch zugleich die ihm gemäße echte und wohltemperierte Gemeinschaft, die innere Stabilität und die Möglichkeit der Verantwortung zurück. Je tiefer die durchschnittliche Ebene der Entscheidungen und der Lebensplanung gelegt wird, um so mehr gerät sie von den eisigen Höhen der zentralen und anonymen Unverantwortlichkeit wieder in das milde Tal des Menschlichen, der Freiheit und des Sittlichen - der wahren Humanität."


(Marktwirtschaft ist nicht genug, Gesammelte Aufsätze, S. 257)






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